Wie groß und schwer so eine Glocke sein kann?
Die Größe einer Glocke ist nach oben hin relativ offen. Zumindest in der
Theorie. Rein praktisch zeigt die Kölner Petersglocke (s. u.) die Grenzen auf:
Ab einer bestimmten Größe (ab etwa d°) treten Nebenschlagtöne auf und die Masse
der Glocke wird zu träge, als das sie noch angemessen zu läuten wäre.
Die bis heute größte Glocke der Welt, der sog. "Zar Kolokol" ("Glockenkaiser") wurde 1734
für den Moskauer Kreml gegossen. Sie wurde, noch bevor sie an ihrem Bestimmungsort montiert werden konnte,
Opfer eines Großbrandes, bei dem sie zersprang. Seit 1836 ist sie auf einem Sockel im Kreml ausgestellt,
Eine ähnlich dramatische Geschichte hat die "Petersglocke" im Kölner Dom, die zwar nur die viertgrößte Glocke der Welt ist, dafür aber die größte freischwingende Glocke (die zweit- und drittgrößte Glocke hängen in einem chinesischen und einem japanischen Tempel. Sie sind starr aufgehängt und werden von außen angeschlagen.). Die erste Petersglocke (ursprünglich "Kaiserglocke" genannt) wurde aus der Bronze von 22 im deutsch-französischen Krieg erbeuteten französischen Geschützen gegossen und sollte den Schlagton C haben. Erst der dritte Guss gelang, aber die Glocke präsentierte statt eines C ein sehr hohes Cis! Trotzdem unternahm man keinen vierten Gussversuch. 24
Soldaten waren nötig, um die Glocke am 7. August 1878 in den Südturm hinaufzuziehen. In den folgenden 30 Jahren gelang es nicht, die 3,25 m hohe und über 27 Tonnen schwere Glocke
zufrieden stellend zu läuten, so dass man sie nur sehr selten zu hören bekam. Daher hieß die Glocke im Volksmund auch "Die Stumme von Köln". Übrigens hingen jedes Mal 15 Soldaten in den Seilen, wenn es galt, die Glocke zu läuten und es dauerte über eine Viertelstunde, bis der erste Ton zu hören war. 1908 löste sich der über eine Tonne schwere und über 3 m lange Klöppel der Kaiserglocke und stürzte in den Turmraum. Erst 1909 wurde eine Läutemaschine installiert und es damit endlich möglich, die Glocke einwandfrei zu läuten. Aber da war es schon fast um die Glocke geschehen: im Sommer 1918 wurde die Glocke zerschlagen und wiederum zu Geschützen umgegossen (ein makabrer Kreislauf!).
Bereits vier Jahre später gab es Bemühungen, eine Nachfolgerin für die Kaiserglocke zu gießen. Treibende Kraft hierbei war Konrad Adenauer, der damalige Kölner Oberbürgermeister. 1923 wurde die "Petersglocke", im Volksmund "Decker Pitter" genannt, gegossen. Diesmal gelang der erste
Guss auf Anhieb. Die "nur" 24 t schwere Petersglocke klingt exakt auf den Ton C (übrigens ein guter Beleg dafür, dass die Tonhöhe einer Glocke nicht direkt mit ihrem Gewicht,
sondern mit der Rippe zusammenhängt).
Die Größe einer Glocke richtet sich nach ihrer Tonhöhe. Dabei wächst der Durchmesser an der "Schärfe", also am unteren Glockenrand im umgekehrten Verhältnis zur Schwingungszahl. Das Oktavverhältnis beträgt also 1:2, ähnlich wie bei Orgelpfeifen.
Eine Bronzeglocke mit dem Schlagton c' hat einen Schärfendurchmesser von etwa 1,60 m, eine Glocke mit dem Sclagton c also etwa einen Durchmesser von 3,20 m.
Das Gewicht einer Glocke lässt sich mithilfe einer Formel berechnen, die sich aus dem
Glockendurchmesser und einer Gewichtskonstante zusammensetzt. Nach dieser Formel wiegt eine
c'-Glocke etwa 2.417 kg, eine c-Glocke in gleicher Rippe bereits 19.336 kg !
(Diese Formel gilt aber nur bei Glocken mit gleicher Rippenstärke!)